Reframing – Die Kunst, den Dingen eine Bedeutung zu geben

Reframing – Die Kunst, den Dingen eine Bedeutung zu geben

„Ich bin nicht dick, ich bin nur zu klein für mein Gewicht!“

In diesem Satz steckt vielleicht mehr Weisheit, als man es auf den ersten Blick vermuten würde…

Kennst Du den BMI? Die Abkürzung bedeutet „Body Mass Index“ und ist ein Maß dafür, ob jemand zu dick ist. Der BMI wird berechnet als Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat.

Obwohl der BMI als Maß für das „Dicksein“ nicht unumstritten ist, sieht man eins ganz deutlich: Dicksein hat (zumindest nach dieser Definition) sowohl mit dem Gewicht, als auch mit der Körpergröße zu tun. Nur, dass wir normalerweise bei Dicksein sofort an das Körpergewicht denken und eben nicht an die Körpergröße.

Der Satz oben ist deshalb so interessant, weil er den Fokus verschiebt. Weg vom Gewicht hin zur Körpergröße. Dadurch schafft der Satz einen neuen Bedeutungsrahmen.

Und wenn sich der Bedeutungsrahmen verändert, verändert sich auch die emotionale Bedeutung, die hinter dem Satz steht.

Denn: Dicksein verbinden die meisten Menschen in unserem Kulturkreis mit unangenehmen Gefühlen. Zu klein sein, ist für die meisten dagegen deutlich weniger unangenehm.

Und das liegt einfach daran, dass in unserer Gesellschaft ein Schönheitsideal vorherrscht, dass sich auf schlanke Menschen fokussiert.

Übrigens: Es gibt andere Kulturkreise, in denen dicke Menschen als schön gelten und dünne Menschen als nicht schön. Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters und ist keine Eigenschaft an sich.

(Bild: Devider Turtle)Ein ganz anderes Beispiel:

Hattest Du schon einmal Liebeskummer?

Ich schon. Und ich bin sicher, dass es den meisten von uns ähnlich damit geht.

Liebeskummer gehört nun einmal zu den Erfahrungen unseres Lebens dazu.

Aber zum Glück dauert Liebeskummer auch nicht ewig. Meist hört er nach einigen Wochen, im Extremfall vielleicht auch nach einigen Monaten von alleine wieder auf (haha, ich hab‘ auch schonmal ein paar Jahre gebraucht 😉 ).

Aber hast Du schon einmal darüber nachgedacht, warum das eigentlich so ist? Denn eigentlich hat sich ja an der Situation, die den Liebeskummer hervorgebracht hat, nichts geändert, oder?

Die Beziehung ist nach wie vor vorbei, an der Trennung hat sich nichts geändert. Und doch, wie durch ein Wunder verschwindet der Liebeskummer nach und nach aus unserer Sichtweite.

Aber wieso ist das eigentlich so?

Dazu fällt mir ein schönes Zitat des griechischen Philosophen Epiktet ein:

EpiktetEs sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.

Was ist also tatsächlich passiert, als der Liebeskummer sich aus unserem Leben verabschiedet hat?

Ganz einfach: Wir haben der verflossenen Beziehung und deren Ende eine neue Bedeutung gegeben. Wir haben den Bedeutungsrahmen der Beziehung und der Trennung verändert.

Wir sind z.B. zu dem Schluss gekommen, dass die alte Beziehung eben doch nicht die Traumbeziehung war, für die wir sie gehalten haben.

Und dadurch wurde der Liebeskummer quasi überflüssig.

(Bild: Devider Turtle)

In beiden Beispielen hat die Veränderung des Bedeutungsrahmens dazu geführt, dass sich die damit verbundene emotionale Bewertung der Situation verändert hat.

Im NLP nennt man das Reframing.

Im Huna würde man einfach sagen „die Welt ist das, was Du denkst, das sie ist“ (Ike).

Und was beim Blick auf die eigenen Pfunde und beim Liebeskummer meist zuverlässig funktioniert, sollte sich doch auch in anderen Bereichen nutzen lassen.

Wenn wir uns dann noch bewusst dafür entscheiden, welche Bedeutung wir den Dingen geben wollen, sind wir einem selbstbestimmten Leben einen großen Schritt näher gekommen.

Verschiedene Arten von Reframing

Im NLP gibt es dazu zwei Ansätze. Den Bedeutungs-Reframe und den Empfindungs-Reframe. Beide können wir nutzen, um unsere Perspektive zu verändern und die Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Und letztlich ist es ja unsere Perspektive auf die Welt, sind es unsere Gedanken, die unsere Wirklichkeit formen (Ike).

Der Bedeutungs-Reframe

Beim sog. Bedeutungs-Reframe verändern wir die Bedeutung, die wir einer Eigenschaft von uns oder einem Verhalten von uns geben.

Und das ist einfacher, als Du vielleicht denkst.

Wenn Du wie ich bist, hast Du wenig Lust, Deine Post durchzuarbeiten. Die Briefe von den Versicherungen abzuheften, Antwortschreiben zu verfassen, notwendige Telefonanrufe zu machen usw.

Und normalerweise reagieren wir darauf, indem wir z.B. sagen „Boaah, ich kann mich einfach nicht motivieren. Ich bin einfach so lustlos. Ich bin halt ein fauler Mensch.“

Dahinter steckt die Bedeutungsvergabe: „Dass ich keine Lust auf die Post habe bedeutet, dass ich faul bin.“

Und das ist eine willkürliche Bedeutungsvergabe, die wir treffen. Noch dazu eine, die nicht besonders sinnvoll ist, weil sie uns lustlos und noch unmotivierter zurücklässt, als wir ohnehin schon sind.

Und dann können wir uns garantiert nicht mehr zu etwas aufraffen. Und wenn doch, dann nur mit großem Druck. Keine sehr entspannte Herangehensweise, wie ich finde.(Bild: Devider Turtle)Aber wir könnten unser Verhalten auch ganz anders interpretieren.

Wir könnten z.B. auch sagen: „Dass ich keine Lust auf die Post habe, bedeutet…

  • dass ich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben fokussiert bin und mich durch solch unwichtige Dinge wie die tägliche Post nicht ablenken lasse.“
  • dass ich gelernt habe, auf meine Bedürfnisse zu achten und mich nicht überfordere.“
  • dass ich sehr effektiv arbeiten kann und daher nur von Zeit zu Zeit die Post aufarbeiten muss.“
  • usw.

Du siehst vielleicht, worauf ich hinaus will: Statt uns für Eigenschaften und Verhaltensweisen, die wir nicht an uns mögen, zu verurteilen, können wir diesen ungeliebten Eigenschaften und Verhaltensweisen auch einfach eine andere Bedeutung geben. Sie eben reframen.

Wie Du Reframing nutzen kannst, um entspannter durch den Tag zu kommen und weniger gestresst vom Alltag zu sein, erfährst Du übrigens in meinem kostenlosen E-Book „Unstress your Life“*. Du kannst es hier anfordern und erhältst es umgehend per E-Mail:

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Zugegeben, im Beispiel oben funktioniert das nur begrenzt. Denn irgendwann muss ich mich den unliebsamen Aufgaben stellen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich das mache, ist größer, wenn ich mich vorher nicht selbst verurteile und dadurch meine Motivation noch weiter nach unten bringe.

Der Empfindungs-Reframe

Wenn Du das nächste Mal von einer Sache gestresst bist, versuche einmal folgendes:

Fühle in Dich hinein, wo im Körper Du die Reaktion auf den Stressauslöser spürst. Wie fühlt sich die Körperwahrnehmung an?

Ist es ein Ziehen? Oder eher ein Zusammenkrampfen? Vielleicht ist es auch so etwas, wie ein Vibrieren oder was auch immer.

Beschreibe die Form und die Farbe dieser Körperwahnehmung. Und fühle in Dich hinein, welche Bewegungsrichtung die Körperwahnehmung hat.

Eher links herum? Oder rechts herum? Vielleicht geht die Bewegungsrichtung aber auch nach außen oder innen?

(Bild: Turtle Übung)

Du hast jetzt herausgefunden, wie Dein Körper auf Stress reagiert. Immer wenn diese Körperwahrnehung auftritt „weiß“ Dein Gehirn: „Achtung, ich bin gestresst“.

Aber auch das ist letztlich eine willkürliche Bedeutungsvergabe unseres Unterbewusstseins.

Wir können uns alternative Bedeutungen überlegen, die für uns mehr Sinn machen. Weil sie z.B. uns wieder in die Entspannung zurückholen.

Hier mal ein paar Anregungen.

„Immer, wenn ich diese Körperwahrnehmung habe, weiß ich, dass…

  • mein Körper und mein Geist in den „Hochkonzentriert-Modus“ umschalten und ich Aufgaben dadurch fokussierter erledigen kann.
  • mein höheres Selbst mich daran erinnert, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen.
  • mein Körper zusätzliche Enegiereserven freisetzt, um die Aufgaben besser und in kürzerer Zeit erledigen zu können.“
  • mein Körper mich daran erinnert, eine Pause einzulegen.“
  • ich bewusst langsamer an die Aufgaben herangehen kann, um so schneller fertig zu werden.“

Welche Bedeutung Du Deiner Körperwahrnehmung gibst, ist ganz Dir überlassen. Überlege Dir einfach eine neue Bedeutung, die für Dich Sinn macht und funktioniert.

Du könntest Deine Körperwahrnehmung z.B. auch so reframen, dass sie Dich daran erinnert, eine der Piki Piko – Übungen für schnelle Entspannung zu machen, die ich in diesem Artikel beschrieben habe.

Auf diese Weise kannst Du aus Deiner Stressspirale zumindest ein Stück weit aussteigen und die Aufgaben weitaus entspannter angehen. Dadurch bist Du konzentrierter und schaffst Deine Aufgaben schneller.

Das trägt wiederum dazu bei, weniger gestresst zu sein. So kommst Du bezogen auf Dein Stressempfinden in eine Art Aufwärtsspirale.

Andere Möglichkeiten, zu reframen

Natürlich kannst Du nicht nur die Bedeutung Deiner Eigenschaften und Verhaltensweisen bzw. Deiner Empfindungen reframen.

Im Grunde genommen kannst Du alles reframen, was Du möchtest. Das bedeutet, Du kannst jede Situation reframen, Die für Dich unangenehm ist.

Wie?

Stell Dir vor, Du stehst an einer roten Ampel. Und bist ziemlich wütend darüber, weil Du es eilig hast. Du könntest jetzt die Bedeutung der roten Ampel reframen. Von „die Ampel hält mich unnötig auf“ in „die Ampel erinnert mich daran, dass ich mir bewusst mehr Zeit nehmen sollte, wenn es in meinem Leben einmal wieder stressig wird.“

Dazu gibt es auch ein schönes Zitat von Gandhi:

Mahatma GandhiDer heutige Tag wird ziemlich hektisch. Ich werde keine Stunde meditieren können. Ich muss zwei Stunden meditieren.

Oder, wenn Du das nächste Mal durch den Regen gehst und Deinen Schirm vergessen hast. Dann könntest Du den Regen reframen von „so ein Sauwetter schon wieder“ in „wie toll der Regen sich auf der Haut anfühlt. Das erinnert mich an meine Kindheit. Damals gab es nichts Schöneres als durch den Regen zu springen!“

Du denkst jetzt vielleicht, dass Du Dir die neue Bedeutung ja nur einreden würdest.

Stimmt!

Und weißt Du was? Bei der alten, gewohnten Bedeutung, die Du der Situation gibst, ist das genauso!

Auch die redest Du Dir ein. Sprich, Du konstruierst sie in Deinem Kopf. Der einzige Unterschied ist, dass es dir bei der gewohnten Bedeutung nicht so auffällt. Eben weil Du es schon so oft gemacht hast, dass es automatisch passiert.

Die Grenzen des Reframen

Aber Reframing hat natürlich auch seine Grenzen. Nämlich dann, wenn wir es nutzen würden, um unsere Gefühle zu unterdrücken.

Das macht nämlich überhaupt keinen Sinn.

Denn alles, was wir unterdrücken, erzeugt nur unnötige Spannung in unserem Körper. Und kommt früher oder später doch wieder an irgendeiner Stelle zum Vorschein.

Und meist um einiges heftiger als die ursprüngliche Situation eigentlich gewesen war.

Aber wie entscheidet man, ob man gerade dabei ist, mit dem Reframing etwas zu unterdrücken oder nicht?

Wann richte ich meinen Fokus auf die angenehmeren Dinge aus und wann unterdrücke ich nur meine Gefühle?

Ich glaube, der entscheidende Faktor dabei ist, aus welcher Motivation heraus ich handle.

Will ich mich durch das Reframing von etwas weg bewegen? Nämlich von meiner Wut, meiner Angst oder anderen unangenehmen Dingen?

Oder will ich mich auf etwas zu bewegen? Zu den angenehmen Dingen des Lebens, zu angenehmen Gefühlen usw.

Man könnte es auch so formulieren: Will ich die Bedeutung von etwas aus einem Gefühl der Angst heraus verändern oder aus einem Gefühl der Stärke?

Im ersten Fall würde ich meine Gefühle nur unterdrücken. Ich zweiten Fall treffe ich dagegen eine bewusst Entscheidung. Lebe also ein selbstbestimmtes Leben.

Der erste Schritt muss also immer die Anerkennung dessen sein, was gerade ist (Manawa). Dann kann ich schauen, ob mir das Angst macht oder nicht. Im ersten Fall sollte ich mich mit meiner Angst auseinandersetzen, im zweiten Fall kann ich durch Reframing meinen Fokus neu ausrichten.

Bleib' inspiriert!

Aloha,

sign

Was denkst Du über Reframing? Bist Du der Meinung, dass wir Bedeutungen tatsächlich frei vergeben können? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!


Und das gibt´s im nächsten Artikel:
„Die Welt ist das, was Du denkst, das sie ist“ ist das erste Prinzip der Huna-Philosophie. Es ist eine der Grundlagen dafür, dass Reframing, wie ich es in diesem Artikel beschrieben habe, überhaupt funktioniert. Gleichzeitig begegnet uns dieses Prinzip aber in ähnlicher Form auch in dem großen Themenfeld rund um das „Gesetz der Resonanz“, „The Secret“ und die ganze Wünsch-Dir-Was-Literatur. Grund genug, einmal etwas genauer hinzusehen und zu schauen, ob und warum dieses erste Prinzip mehr ist als bloßes Wunschdenken. Und: Es gibt auch wieder eine Übung zum Sofort-Anwenden!

P.S.
In den verschiedenen Blogartikeln geht's immer wieder auch um die verschiedenen Aspekte dieser 7 Prinzipien. Und ich zeige Dir Methoden aus dem Huna und aus dem NLP, mit denen Du die 7 Prinzipien in Deinen Alltag integrieren kannst.

So bekommst Du nach und nach einen guten Überblick über die Happy-Turtle-Philosophie und den Weg der Schildkröte und kannst anhand eigener Erfahrungen entscheiden, was Du für Dich mitnehmen willst und was nicht.

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